Evang. - Luth. Kirchengemeinde Heilig-Geist
Nürnberg-Laufamholz

Es sind
verschiedene
Gaben,
aber es ist ein Geist.

1. Kor. 12,4

 
 
 
 
 

Ein kleiner Kirchenführer

Herzlich willkommen,

hier in der Heilig-Geist-Kirche, in der Kirche zum Heiligen Geist, in Laufamholz. Wenn Sie sich umsehen, finden Sie alle Attribute einer christlichen Kirche , wie das ein Gotteshausbesucher erwartet:
Altar, Kanzel, Taufbecken in Richtung Osten. Gegenüber, nach Westen, am anderen Ende des Kirchenbaus eine Empore mit Orgel, darüber - von hier aus nur hörbar, nicht sichtbar - der Turm mit drei Glocken; eine Turmuhr fehlt. Zur Vollständigkeit: hier links vorne im Altarraum die Türe zur Saktristei des Mesners und rechts gegenüber die Sakristei für die Geistlichkeit.
Diese Kirche erinnert Sie sicherlich nicht sofort an St.Lorenz oder Sebald - und doch ist sie inzwischen eine Einmaligkeit in Nürnberg: Sie ist die letzte “Notkirche” im Stadtgebiet.
Dafür, daß sie eine Notkirche, also ein als vorläufig betrachtetes, auf die Schnelle mit begrenzten Mitteln, errichtetes Bauwerk ist, kann sie inzwischen auf ein stattliches Alter zurückblicken: Sie wurde nach dem 2. Weltkrieg von 1945 bis 1948 erbaut als Nachfolgerin einer Kirche, die in der Nacht vom 28. auf 29. August 1943 Phosphorbrandbomben zum Opfer fiel. 
Was an diesem Gebäude eigentlich “Not - Kirche” ist, kann ich nur zu erraten versuchen, und Sie können sich durch das Kennenlernen dieser Kostbarkeit eine eigene Meinung bilden. Es scheint an den geringen Maßen der Kirche und der Verwendung gebrauchten Materials zu liegen, dazu an der - in unseren Breiten unüblichen - Verwendung von Holz statt des dauerhafteren Steines; in erster Linie beziehe ich den Begriff auf die Umstände, unter denen diese Kirche errichtet wurde. Denn am Gesamteindruck kann es nicht liegen. Diesen schildert die Chronik zum 40-jährigen Bestehen dieses Gotteshauses so:
“Dieser Kirchenraum vermittelt Geborgenheit und Wärme: das dunkle, braune Holz, das weiche Licht der Wandleuchten, die gebrochene Helligkeit der Glas-
fenster, die gewölbte Kassettendecke, der rote Sandstein, die Sollnhofener Kalkplatten - alles steht in einem harmonischen Verhältnis. Zugleich spüre ich auch die Weite dieser Saalkirche; der Freiraum zwischen Altar und Bankreihen lässt - im wahrsten Sinne des Wortes - viel Freiraum für Musik und Spiel, für die unterschiedlichsten Gottesdienstformen. Kurz, wir haben eine schöne Kirche, in der wir uns wohlfühlen können.”

Um zu ermessen, welche Leistung es war, damals in der unmittelbaren Nach-
kriegszeit, ein solches Gebäude zu errichten, erfordert, sich in diese Zeit zurück-
zuversetzen.
Die Gemeinde war deprimiert, als ihr erst zwei Jahre zuvor renoviertes Kirchen-
haus zerbombt wurde. Der damalige Pfarrer äußerte im Angesicht der großen Zerstörungen in Nürnberg, dass Nürnberg “wohl woanders , vielleicht in Hers-
bruck , wieder aufgebaut werden müsste”
. Als erstes wurde überlegt, die drei noch stehenden Mauern der ruinösen Reste des alten Kirchensaals ( Laufamholz-
straße. 297, schräg gegenüber der heutigen Gaststätte “Hammerschmiede” ) mit einem Notdach zu versehen. Die Gottesdienste fanden nämlich zunächst behelfs-
mäßig im Nebenzimmer der Gaststätte Schabdach, dem heutigen Landgasthof “Goldene Krone”, statt. Pfarrer Dr. Theodor Däschlein folgte dem Rat eines Laufamholzer(!) Gemeindemitglieds und Architekten, dessen Vater einen Zimmereibetrieb besaß, und favorisierte einen Bau hier auf einem anderen kirchlichen Grundstück, mit der Erwägung: Vor Ablauf von 15 bis 20 Jahren könne nicht erwartet werden, dass eine größere neue Kirche gebaut werde.
Bereits am 1.7.1945, also gerade 6 Wochen nach Kriegsende(!), beschloss der Kirchenvorstand, eine Notkirche errichten zu wollen. Und dafür hatte man bereits von der amerikanischen Militärregierung eine Baracke auf der “Russenwiese” am Valznerweiher für das Baumaterial geschenkt erhalten. Im Anschluss konnte eine weitere Baracke von den Stadträten erworben werden, eine ehemalige Flak-
baracke aus der Finstermail. Bei dem Abriss der letzteren Baracke durch Gemeindemitglieder, fiel der damalige Mesner, Georg Albrecht, vom Dach und erlitt einen Schlüsselbeinbruch, der einzige Personenschaden, der vom Bau dieser Kirche überliefert ist.
Nach einem ersten Plan des Architekten und späteren Vertrauensmannes unserer Gemeinde Georg Deuerlein ( 1964 - 1970 ), beschloss die Gesamtkirchenver-
waltung Nürnberg Genehmigung und Finanzierung: 30.000 RM wurden bewilligt! Unter der planerischen Führung des Kirchenbauamtes, der beiden Architekten Kurt Mischke und Hans Weiß, wurde die Planung vorangetrieben; um eine Zahl zu nennen: Die statische Berechnung führte der ehemalige Oberbaurat Zech für 80 (!) RM aus. Am 22.10.1945 wurde bereits der Grundstein für unsere jetzige Kirche gelegt.
Die Bauausführung selbst war der problematischere Teil. Zwar waren die Gemeindemitglieder in Reichsmark spendabel und legten fleißig selbst Hand an. Aber - es musste mit dem Bauen zugleich ein umfangreicher Tauschhandel mit Baumaterialien, Gips, Zement und auch lebensnotwendigen Dingen getrieben werden. Dabei waren damals die meisten Mittel “bewirtschaftet”, d.h. man brauchte Berechtigungsscheine wie Schnittholzscheine, Einkaufsscheine, um Waren zu erhalten. Pfarrer und Kirchenbauamt waren ständig auf der Suche nach Material und Tauschobjekten. Der Orgelbauer klagte zum Beispiel - fast wäre zur Einweihung die Orgel nicht fertig gewesen -, er könne keinen Leim und keine Tastatur bekommen, weil seine Lieferanten Bohnen, Erbsen, Kaffee und Haferflocken als Gegenleistung verlangen würden.
Dennoch gelang es durch den finanziellen und auch körperlichen Einsatz der Gemeinde, den Bau unter den Verhältnissen qualitativ gut voranzubringen, z.B. für die Seitenwände nur neues Holz zu verwenden.
Sie sehen nun einen Bau mit den Grundmaßen 27 m Länge, ohne Turm 25 m, und 10 m Breite. Die 4 Pfeiler an den Außenwänden sind in die Erde einbetonierte verputzte Eisenträger, die die Außenwand zusammenhalten.
Wenn Sie mir nun kurz durch die Sakristei nach draußen folgen!
Die Firsthöhe beträgt 9.30 m, der Turmist 19.5 m hoch und beherbergt 3 Glocken. Bei offiziellen Führungen kann er auch über steile, schmale Treppen bestiegen werden. Insbesondere Pfarrer Däschlein hatte Bronze “gesammelt”. Mengen, wie die einer Olympiamedaille, wären etwas zu mager gewesen!
Von den beschädigten Glocken der Innenstadtkirche St.Egidien , aber auch von einer kleinen Glocke einer Familie aus der hiesigen Gemeinde, kamen ca 1,4 t Bronze zusammen, die schon 1947 an die Gießerei Schilling in Apolda / Thüringen geschickt wurde - unter größten Bedenken, ob das Metall nicht von den Russen beschlagnahmt würde. Die Glocken wurden, trotz vieler Bemühungen und zum Leidwesen der Gemeinde, schließlich nicht rechtzeitig zur Einweihung der Kirche am 16. Mai 1948 fertig; darüber hinaus wurden sie nach ihrer Fertigstellung von der russischen Militärregierung nicht sogleich freigegeben. Erst am 13. Dezember 1949 konnten sie endlich feierlich geweiht werden und waren trotz der geschilderten Schwierigkeiten die ersten neuen Glocken für eine evangelische Kirche in Nürnberg nach Kriegsende. Fachleute beurteilen die Stimmung ihres Geläutes als sehr schön; bei günstigem Wind ist es bis in unseren neu entstehenden Stadtteil Rehhof zu hören.
Die größte Glocke wiegt 13 Zentner und ist die “Lob- und Dankglocke”. Sie trägt die Aufschrift: “In ernster Zeit dem Herrn geweiht”, um den Kranz die Inschrift “Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen“.
Die zweite Glocke, 9 Zentner schwer, ist die “Gebetsglocke” mit der Inschrift “Lasset uns anhalten am Gebet”.
Die kleine Glocke, nur 5 Zentner schwer, ist die “Totenglocke”. Ihre Aufschrift “Jesus Christus hat dem Tode die Macht genommen”.

EIN BLICK VON DER KIRCHENWIESE AUF DAS ENSEMBLE:

In dem Längsbau sehen Sie ein 1954 errichtetes Gebäude, ebenfalls mit Vergangenheit.
Auf diesem - der Kirchengemeinde, bzw. der Kirchenstiftung - gehörenden Gelände erbaute der 1906 gegründete “Verein Kinderhort Laufamholz” bis Juni 1909 einen schönen, großen Bau als Kindergarten mit einem hellen Saal im Erdgeschoss, eine 4-Zimmerwohnung im 1. Obergeschoss und 2 Zimmern im Dachgeschoss.
Bei demselben Luftangriff, dem die alte Kirche in Hammer zum Opfer fiel, hatte ein Blindgänger mit Zeitzünder in dieses Haus eingeschlagen.
Da es nicht gelang, ihn anders zu entschärfen, wurde er mitsamt den Folgen für dieses Kindergartenhaus gesprengt. Die Kindergartenkinder waren daher 10 Jahre im Pfarrhaus untergebracht.
Nach dem Bau der Notkirche, die nur bis zur Außentüre der Sakristei reichte, wurde ein Anbau für Kindergarten und für Jugendräume errichtet, auch als Gemeindesaal nutzbar. Dieser Bau wurde 1954 fertiggestellt. Erst mit Fertigstellung des Gemeindezentrums (1973)hinter dem Gebäude konnte die Diakoniestation in die Räume einziehen.
Es ist offensichtlich, dass bereits im Zeitpunkt der Entscheidung für einen Anbau diese Kirche nicht mehr als Notlösung gesehen wurde.
Das runde Kirchenfenster an der Südseite ist bemerkenswert: Das dort einfallende Licht erreicht nicht den Gottesdienstraum, sondern erhellt sozusagen ein Obergeschoß über den Südräumlichkeiten, das nur mittels einer Leiter über ein Holztürchen hoch oben, auf den ersten Blick kaum zu erkennen, erreicht werden kann.

SICH ZEIT NEHMEN - DEN KIRCHENRAUM ENTDECKEN

Wenn wir durch die Sakristeitüre hineingehen, fällt unser Blick auf einen Christus am Kruzifix, der je nachdem, von welcher Seite man ihn anblickt, den Leidenden oder den Erlösenden, Heilbringenden, darstellt.
Sie können diese Beobachtung nachprüfen. Hier hat der Schnitzer an alte Traditionen angeknüpft.
Dieses künstlerisch sehr gelungene Kruzifix wurde aus dem alten Kinderhort gerettet, ehe er unter den Flammen zusammenbrach.
Im Inneren der Kirche empfängt uns rechts der Altar. Er wurde übrigens aus dem Portal der alten Hammer-Kirche errichtet. Um den tiefen Bezug “der alten Laufamholzer” zu dieser alten Kirche verständlich zu machen, muss ich etwas ausholen:
Woher leitet sich das Wort “Laufamholz” ab ?
Der Name kommt von einem Lauf, also von einer kleinen Stromschnelle, in einem Wald gelegen; als Örtlichkeit für eine solche Schnelle ist aufgrund verschiedener Urkunden das Schloss in Unterbürg anzunehmen. Das “Geschlecht der Lauffenholzer” wird urkundlich in der zweiten Hälfte des 13.Jahrhunderts erwähnt. Die hier entstehende Ortschaft hat deren Namen übernommen. Seit im Jahr 1400 die Kirchengemeinde Mögeldorf selbstständig wurde, gehörte Laufamholz mit den Ortsteilen Unterbürg, Oberbürg, Hammer, Freiland und sogar Malmsbach - Rehhof hat insofern keine Geschichte - kirchlich nach Mögeldorf. Allerdings bildete Laufamholz politisch aeine eigene Einheit.
Der Weg der Laufamholzer Kirchgänger lässt sich heute noch am Namen des “Laufamholzer Kirchensteigs” nachvollziehen.
Die Laufamholzer Kirchenmitglieder wollten aber, da der Weg doch recht weit war und der Kirchenbesuch daher eher spärlich, eine eigene Kirche errichten.
Der Inhaber des Hammerwerks, Ernst von Forster, stellte den Tanzsaal der Gaststätte “Hammerhöhe” zur Verfügung und finanzierte den Umbau zu einer Kirche, die 1923 fertig wurde.
Es wurde in der Folge ein Hilfsgeistlicher von Mögeldorf nach Laufamholz abgeordnet, dies aber auch nur deshalb, weil Herr von Forster sogar die Wohnung stellte und die Dotation des Geistlichen übernahm - ein heute kaum noch vorstellbarer Vorgang.
Damals waren die Laufamholzer “Vikare” die einzigen Geistlichen Bayerns, die von ihrer Gemeinde selbst unterhalten wurden.
Die Freigebigkeit des Schenkers spornte die übrige Gemeinde an: die fehlende Einrichtung der Kirche kam schnell zusammen. Trotz dieser aufgezeigten Umstände wurde Laufamholz-Hammer 1924 zunächst nur Tochterkirche von Mögeldorf, bezahlte ihre Geistlichen bis 1931 selbst und erst 1934 wurde Laufamholz zur selbständigen Pfarrei erhoben.
Im Gegensatz dazu: Im Jahr 1938 wurde die selbständige politische Gemeinde Laufamholz nach Nürnberg eingemeindet. Es lief also die neue kirchliche Selbständigkeit gegensätzlich zur politischen Entwicklung, zur politischen Unselbständigkeit.
Es liegt auf der Hand, dass die genommene politisch gemeindliche Selbständigkeit sich auf die kirchengemeindlich gewonnene Eigenständigkeit ausgewirkt, den selbstbewussten Zusammenhalt der Laufamholzer Lutheraner gefördert haben kann. Die alte Kirche bzw. deren gerettete Reste haben daher einen besonderen persönlich motivierten Wert für alte “Laufamholzer”, die an den Zeichen ihrer durch Opferbereitschaft und Hartnäckigkeit erreichten kirchlichen Selbständigkeit hängen. Aber auch Neuzuzüge hängen mittlerweile an dieser Kirche.
Der ALTAR ist von Kunstmaler Karl Lange aus Nürnberg geschaffen, ein Gemälde in Öl auf Holz, und einer geschnitzten Figurengruppe obenauf. In der Mitteltafel den thronenden Christus mit Strahlenkranz.
Der Regenbogen als Friedenssymbol - wenn auch als Friedenssymbol zwischen Gott und den Menschen - hatte sich wohl nach dem verheerenden Krieg aufgedrängt.
Seitlich die 4 Evangelistensymbole: links oben der Adler des Johannes, unten links der Löwe mit Markus, unten rechts der Stier mit Lukas, oben rechts der Engel mit Matthäus.
Dazu seitlich Sonne und Mond sowie die griechischen Buchstaben Alpha und Omega: Erinnerung an das Christuswort: “Ich bin das A und O”, d.h. “der Erste und der Letzte”, “der Anfang und das Ende”. Es ist eine Christusdarstellung des auferstandenen und wiederkommenden Herrn “zu richten die Lebenden und die Toten.” Unter “Richten” ist ein “Zurechtrichten”, kein “Hinrichten” zu verstehen, also eine tröstliche Erwartung! Die drei Finger stellen eine segnende Geste dar, stimmig zu den Strahlen und dem PAX VOBIS auf den Tafeln in der Linken.
Auf den ALTARTAFELN ist links oben die ANBETUNG DES CHRISTUSKINDES dargestellt. Es fehlt vieles, das man von mittelalterlichen Tafelbildern kennt wie Gold, Spruchbänder mit “Gloria in excelsis”, der Stern von Bethlehem. Statt der zerfallenen Hütte Davids ist ein fränkischer massiver Stall dargestellt. Für mich eine schlichte, sparsame, aber stimmungsvolle, klare Darstellung, der Himmel geht über Mensch und Tier auf, der Glanz Gottes erhellt die dunkle Welt.
Beinahe verschmitzt wendet das Schaf den Kopf zur Krippe, aber im Grunde genauso unverständig wie Ochs und Esel im Hintergrund, die in der Weihnachtsgeschichte nicht vorkommen, sondern, auf ein Jesajawort fußend, menschliches Unverständnis angesichts göttlichen Handelns symbolisieren... Auffällig ist die Gestalt des Josef. Wie üblich ist er als alter Mann gemalt, eigentlich zu alt für Maria; aber so wurde häufig in der Kunst das Geheimnis der Menschwerdung Gottes angedeutet. Aber hier steht er nicht abseits, sondern kümmert sich um Mutter und Kind. Maria soll sich bei ihm geborgen fühlen; beim Anblick des Kindes will er nicht stören. Die Sprache der Hände ist voller Behutsamkeit. ... es ist das Kind in der Krippe, von dem ein wärmendes Licht auf die Menschen in rauer und unwirtlicher Umgebung ausstrahlt; nur Jesus und die drei Engel - ein Hinweis auf die Dreifaltigkeit - haben den Heiligenschein, den Nimbus göttlicher Nähe zum Alltag.” “Das ewig Licht geht da herein, gibt der Welt ein neuen Schein.” (Werner Schlögl)
Unten am linken Flügel die TAUFE CHRISTI. Christus steht im Jordan, rechts neben ihm Johannes (Baptista), der Täufer. Der Himmel - die Wohnung Gottes - tut sich auf, der Geist Gottes in Gestalt einer Taube schwebt herab. Dazu gehört Gottes Stimme: “Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.
Am rechten Flügel oben das ABENDMAHL. Es steht nicht nur für die Gemein-
schaft von Gott und Menschen, einer Tischgemeinschaft, bei der uns Gott annimmt. Da es das letzte Mahl Jesus war, bedeutet es darüber hinaus: Die Darreichung von Brot und Wein wird zur zeichenhaften Darstellung seines Sterbens für uns mit dem Ziel, diese Tischgemeinschaft über seinen von Gott gewollten Tod hinaus aufrechtzuerhalten.
Rechts unten schließlich die KREUZIGUNG CHRISTI, seitlich die drei Marien (Mutter Maria, deren Schwester Maria., die Frau des Kleopas, und Maria von Magdala), sowie Johannes (Evangelista).
Die Rückseiten der Flügel sind unbemalt.
Auf dem Mittelstück oben erkennen Sie GESCHNITZTE FIGUREN: 2 Engelknaben neben dem Teilstück mit Christuszeichen und Strahlenkrone, darauf die Weltkugel mit Kreuz.
Der Steinaltar kann mit unterschiedlichen Stoffen geschmückt werden, sogenannten PARAMENTEN.
Das aus Messing gegossene, ca ¾ m hohe ALTARKRUZIFIX und die Leuchter sind von dem Laufamholzer Gießer Vetter.

TAUFSCHÜSSEL, aus Messing, und TAUFSTEINDECKEL stammen von dem Kupferschmied Luther, Nürnberg, ebenfalls nach einem Entwurf von Karl Lange. Ein achteckiger Fuß, vorne ein Kreuz, der Stein ist Worzeldorfer Quarzit, am Becken eine Umschrift: Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden.
Der Deckel enthält in Treibarbeit die Taufe Christi sowie Christus mit drei Kindern. Oben: Weltkugel mit Kreuz, ein wiederkehrendes Motiv. Hier sehen Sie die Aufschrift: gestiftet von den Konfirmanden und Präparanden des Jahrganges 1948.

Das Pfingstgeschehen ist auf diesem WANDBEHANG - 1960 gestiftet von Familie Schmied aus der Schnaittacher Straße, Künstler war Herr Kriebel - hinter dem Taufstein dargestellt, angedeutet: “Der Heilige Geist - als Taube - kommt vom Himmel herab. Der Künstler hat die Menschen ebenfalls als Tauben dargestellt. Das ist der Hinweis, daß Gott den Menschen zu seinem Bild geschaffen hat, welches zum Ziel gekommen ist in Jesus, den wir als den Christus bekennen. Dafür steht das Kreuz mit A und O, wieder die beiden Buchstaben, der erste und letzte aus dem griechischen Alphabet. In der Geschichte Christi liegt die Geschichte der ganzen Welt beschlossen und wir tragen sie an unserem Leib; dieses bedeuten die anderen Kreuze auf dem Bild.” (Herbert Sörgel)
Man kann aber auch an die 7 Gemeinden denken, an die der Seher Johannes seine Sendschreiben schrieb, wie sie in der Offenbarung, dem letzten Buch der Bibel, überliefert sind.

Auch von Laufamholzern geschaffen ist das 1988 entstandene REDNERPULT von Josef Plonka, wegen seiner Schreinerkunst von den Kindergartenkindern “unser Meister Eder” genannt. “Das Kreuz auf der Deckplatte des Pults nimmt die Grundform des Kirchenraumes auf. Die Hölzer, einem Baumstamm nachempfunden und mit Stricken zusammengebunden, erinnern an den Kreuzweg Jesu und an alles Leiden; die Strahlen, in wohltuender Symmetrie gestaltet, deuten auf die Auferstehung hin und reden von einer Hoffnung über den Tod hinaus. Die Maserung der hellen Grundplatte weist auf das Wachsen und Reifen im Glauben hin.” (Pfarrer Werner Schlögl)
Solche Symbole brauchen Stille, um ihre Botschaft zu entfalten.
Seit 2001 steht mit dem von der Laufamholzer Schmiedefamilie Fischer, Winner Zeile, gestifteten ANDACHTSLEUCHTER ein weiteres Schmuckstück in unserer Kirche.
Gestaltungsidee ist das Lebensbaummotiv, mit seinen geschwungenen Wurzeln fest auf die Erde gegründet.
Die schwarze Holzschnitzerei in der Mitte der Weltkugel stellt “Menschen in der Gemeinschaft” dar und ist ein Geschenk aus Kidugala, das bei einer Studienreise zu unserer Partnerkirche übergeben wurde mit der Bitte, vor allem im Gebet verbunden zu bleiben. Damit haben die Besucher unserer Kirche die Möglichkeit, auf diesem Leuchter ein Licht zu entzünden. Das Kugelkreuz oben auf der Weltkugel korrespon-diert übrigens mit dem Abschluß des Taufbeckendeckels.
Der Vollständigkeit halber können Sie einen Blick in die sog. MESNERSAKRISTEI werfen. Neben einigen Sachen, die hier aufgehoben werden, ist besonders der Lichtschalterschrank wichtig - und ein Quell steter Heiterkeit, wenn ein Unkundiger versucht, eine bestimmte Beleuchtung einzuschalten.
Die schlichte KANZEL aus Sandstein, sechseckig und oben ursprünglich mit einer profilierten Leiste, erfuhr erst in letzter Zeit eine kleine Veränderung: Der Augenabstand des Predigers zum Lesepult wurde durch eine Holzauflage verbessert, und zwar in Maßarbeit, um den harmonischen Gesamteindruck des Ensembles Kanzel, Altarraum, Taufstein nicht zu stören.
Folgen Sie mir bitte weiter in den Gang. Über die BESTUHLUNG (35 Reihen) gibt es nichts besonderes zu berichten (hergestellt von dem Schreinermeister Fürsattel aus Lfh). Inzwischen ist die HEIZUNG unter den Sitzen so gut, dass Sie zu jeder Jahreszeit bedenkenlos die Kirchengottesdienste aufsuchen dürfen. Für Gehörgeschädigte ist ebenfalls vorgesorgt. Wir haben eine neue VERSTÄRKERANLAGE angeschafft, die eine gleichmäßige Beschallung des Raumes gewährleistet, was vor allem bei MEDITATIONEN zum Tragen kommt.
Sie werden sicher bereits bemerkt haben, dass die Farben der KASSETTEN an der Decke die Farben des Regenbogen-Altars aufnehmen und in ihrer Farbsymbolik an Leben und Erlösung erinnern.
Von Herrn Lange stammt auch der in den QUERBALKEN eingestemmte Spruch “Selig sind die Gottes Wort hören und bewahren.
An der EMPORE erkennen sie 6 Sterne, hier eine Taube des heiligen Geistes und ein musikalisches Motiv: 4 musizierende Engel (Viola, Orgelpositiv, Trompete und Laute, gemalt ebenfalls von Karl Lange).
Am BALKEN AN DER ORGEL sehen sie einen weiteren Spruch eingestemmt: “Singet und spielet dem Herrn in euren Herzen
Spätestens jetzt erkennt man das GESAMTKONZEPT des Künstlers mit seinen wiederkehrenden Farben, Formen und Figuren in Altar, Taufdeckel, Kassettendecke, Empore etc.
Wenn Sie mir Richtung Kircheneingang folgen, sehen Sie hier links hinten eine Türe. Diese führt in einen kleinen Keller. Bevor die Heizung elektrifiziert wurde, war dort der Koks gelagert für den Ofen, den Sie sich etwa auf Höhe des Taufsteins an der Kirchenaußenwand denken müssen.
Ein besonderes Symbol des Engagements der Laufamholzer ist innen im Eingangsbereich zu sehen: zwei OPFERSTÖCKE, die der Schmied Fischer anläßlich seiner Hochzeit 1951 stiftete.
Hier können Sie sich überzeugen, wie ein echter KIRCHENSCHLÜSSEL aussieht; sie kennen ihn bisher vielleicht nur vom Lehrer Lämpel aus Max und Moritz.
Bevor ich nun zur Orgel komme, haben Sie zunächst Gelegenheit, mit auf den KIRCHTURM zu steigen und sich von dem Stand unseres Taubenproblems zu überzeugen. Auf dem Weg hinauf können Sie einen Blick werfen auf den alten BLASEBALG der Orgelanlage (die elektrische Anlage konnte nicht rechtzeitig mit der Orgel geliefert werden) und den SPITZBODEN der Kirche, der aber nicht betreten werden darf. Die oberste Leiter ist eine bessere Hühnerleiter und sehr steil, nicht für jeden geeignet.
Mit dem Bau der ORGEL war Anfang 1946 die Fa. Steinmeyer beauftragt worden. Die Fa. Steinmeyer aus Öttingen äußerte sich im März, “daß die Raumverhältnisse für die Orgel miserabel seien, und im übrigen bitte sie um einen Benzinzuschuß für einen Ortstermin mit dem Architekten”. Die Planung für die Empore wurde daraufhin geändert, die Empore hier nach vorne erweitert. Die Orgelbeschreibung in Kurzform: Spieltisch freistehend, rein elektrisch, Gehäuse Fichtenholz, Oberteil innen sapeli mahagoni furniert und poliert. Im Gutachten aus 1947 bezeichnet Kirchenmusikdirektor Prof. Kröner das Werk als “sehr positiv” und mit 11210 RM als “preislich sehr entgegenkommend.” Die endgültige Abnahme erfolgte am 12.11.1948 durch Landeskirchenmusikdirektor Prof. Högner. Ihren Dienst tut sie noch sehr gut.

Die Orgel wurde in der Woche vor der Einweihung der Kirche fertig. Zum Datum der EINWEIHUNG: In der Chronik eines Gemeindemitglieds ist Pfingstsonntag, der 6.Juni 1948 genannt, das von der Gesamtkirchenverwaltung herausgegebene Buch “Das evangelische Nürnberg” spricht von Pfingstmontag, dem 16. Mai 1948. Ich fand die Predigt zur Kircheneinweihung mit dem Datum Pfingstsonntag, der 16. Mai 1948. Das internet bestätigte mir, daß Pfarrer Dr. Däschlein natürlich richtig liegt: Pfingstsonntag 1948 war der 16. Mai.
Meine Damen und Herren,
das war der bauliche und auch künstlerische Gehalt unserer “Notkirche”. Sie verstehen vielleicht, dass sie von den Laufamholzern als solche nicht mehr gesehen wird. Ich hoffe, dass auch Sie einen persönlichen Bezug zu dieser Kirche gewinnen oder schon gewonnen haben. Das wesentlichste an einer Kirche ist allerdings der baulich nicht sichtbare Gehalt oder wie Pfarrer Dr. Däschlein in seiner Einweihungspredigt sagte:
Die Kirche ist kein Museum, kein Ausstellungsraum, sondern die Kirche ist das Haus Gottes. Gott der Lebendige und der Heilige hat hier nun seine Wohnung aufgeschlagen. Darum wollen wir nicht nur mit bewundernden Augen an der Schönheit unserer Kirche uns erquicken, sondern mit gläubigen Herzen bekennen: Herr ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnet. Der schönste Schmuck eines Gotteshauses ist immer die gläubige Gemeinde.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
Wolf-Michael Hölzel