Nicht jeder verreist im Sommer. Umso schöner ist es, Orte zu kennen, an denen sich der Alltag für eine Weile vergessen lässt. In diesem Sommer stellen wir Ihnen fünf Oasen in Nürnberg vor – grüne Rückzugsorte, stille Winkel und besondere Plätze zum Entspannen und Krafttanken. Lassen Sie sich inspirieren und entdecken Sie vielleicht Ihre ganz persönliche Sommeroase direkt vor der Haustür.
Der Hainberg
Vielleicht haben Sie Lust, den Hainberg in diesem Sommer zu besuchen und seine einzigartige Natur- und Kulturlandschaft selbst zu entdecken.
Das Naturschutzgebiet Hainberg liegt zwischen Stein, Oberasbach, Zirndorf und dem Nürnberger Stadtteil Gebersdorf. Seine Geschichte reicht weit zurück: Bereits 1632 gehörte das Gebiet zu Wallensteins riesigem Feldlager vor Nürnberg während des Dreißigjährigen Krieges. Später wurde die sandige Landschaft über Jahrhunderte als Weideland genutzt. Ab 1896 diente der Hainberg als militärischer Übungsplatz. Gerade diese Nutzung verhinderte eine Bebauung und trug dazu bei, dass die offenen Sandflächen erhalten blieben. Nach dem Ende der militärischen Nutzung wurde das Gebiet unter Naturschutz gestellt.
Bis heute prägen Kiefern- und Laubmischwälder, Magerrasen, Heiden und Silbergrasfluren das Landschaftsbild. Viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten finden hier einen wertvollen Rückzugsraum, darunter der Brachpieper. Eine botanische Besonderheit ist der „Österreichische Beifuß“. Der Überlieferung nach brachten kroatische Soldaten das Kraut in Wallensteins Lager mit und nutzten es als Weingewürz.
Mit rund 213 Hektar ist der Hainberg eine der größten Sand- und Magerrasenflächen Nordbayerns und ein beliebtes Ziel für Spaziergänger und Jogger. Die karge, fast wüstenartige Landschaft unterscheidet sich deutlich von den Wäldern und Parks der Umgebung. Gerade der sandige Untergrund bietet zahlreichen Tieren und Pflanzen ideale Lebensbedingungen. Ziegen und Merinoschafe verhindern durch ihre Beweidung, dass Büsche und Bäume die offenen Flächen überwuchern, und leisten so einen wichtigen Beitrag zum Erhalt dieses besonderen Lebensraums.
Ein Ausflug vor die Tore Nürnbergs vermittelt fast ein wenig Urlaubsgefühl. Zwischen lichten Waldflächen und weitläufigen Sandrasen am Rand der Rednitz lässt es sich wunderbar entspannen. Der Hainberg ist über die Zugänge in Gebersdorf, von der Rothenburger Straße Richtung Oberasbach sowie von der S-Bahn-Station Unterasbach auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. An heißen Sommertagen empfiehlt sich allerdings ausreichender Sonnenschutz – oder ein Besuch in den kühleren Morgen- oder Abendstunden.
Irrhain
Eine eher unbekannte Oase Nürnbergs liegt rund einen Kilometer östlich von Kraftshof und ist nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar: der Irrhain im Kraftshofer Forst.
Seinen Namen verdankt der Irrhain einem Irrgarten, der im 17. Jahrhundert in einem ursprünglich verwilderten Eichenwäldchen angelegt wurde. Zum 250-jährigen Bestehen des Pegnesischen Blumenordens entstand 1894 das bis heute erhaltene Eingangsportal.
Besonders sehenswert ist der Scheinfriedhof mit Gedenksteinen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die Mitgliedern des Ordens gewidmet sind. Hier befindet sich auch das Grab des Gründers Georg Philipp Harsdörfer.
Zur Anlage gehören außerdem eine Gesellschaftshütte und zahlreiche verschlungene Wege. Informationstafeln mit QR-Codes informieren über Geschichte, Pflanzenwelt sowie Lieder und Gedichte des Irrhains.
Der Irrhain ist bis heute eng mit dem Pegnesischen Blumenorden verbunden – einer seit 1644 bestehenden Sprach- und Literaturgesellschaft. Hier findet alljährlich das Irrhainfest statt. Bereits die Gründer des Ordens trafen sich an diesem Ort, der damals als „Poetenwäldchen“ bekannt war.
Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Vom Nürnberger Hauptbahnhof mit der U2 Richtung Flughafen bis Ziegelstein, anschließend mit der Buslinie 31 Richtung Neunhof/Großgründlach bis zur Haltestelle Kraftshof. Von dort sind es etwa ein Kilometer zu Fuß bis zum Irrhain.
Die Gartenstadt – ein grünes Juwel im Süden Nürnbergs
Im Süden Nürnbergs gelegen, begeistert die Gartenstadt mit einer besonderen Mischung aus Ruhe, viel Grün und historischer Architektur.
Sie entstand in den 1920er-Jahren nach dem Vorbild der englischen Gartenstadtbewegung. Ziel war es, bezahlbaren Wohnraum mit hoher Lebensqualität zu verbinden. Bis heute prägen gepflegte Reihenhäuser, großzügige Gärten und von Bäumen gesäumte Straßen das Viertel. Besonders im Sommer verwandeln blühende Vorgärten die Straßen in kleine grüne Oasen.
Ein Rundgang durch die Gartenstadt fühlt sich fast wie ein Ausflug aufs Land an. Fernab vom Trubel der Innenstadt laden ruhige Straßen, kleine Grünanlagen und die Nähe zum Alten Kanal zum Entspannen ein. Familien, Spaziergänger und Naturliebhaber finden hier einen Ort zum Durchatmen.
Trotz ihrer ruhigen Lage ist die Gartenstadt gut an das Stadtzentrum angebunden. Zwischen historischen Häusern, blühenden Gärten und altem Baumbestand zeigt sich ein besonders lebenswerter und oft unterschätzter Teil der Stadt.
Die Gartenstadt steht auf keiner klassischen Sehenswürdigkeiten-Liste – gerade deshalb ist sie eine echte Sommeroase und einen Besuch wert.
Die Gärten der Burg – eine grüne Oase über den Dächern Nürnbergs
Manchmal lohnt es sich, die eigene Stadt mit neuen Augen zu entdecken. Hoch über den Dächern Nürnbergs laden die Burggärten dazu ein, bekannte Orte ganz neu zu erleben. Der Weg beginnt an der Kaiserstallung, in der heute die Jugendherberge untergebracht ist. Von dort führt ein kleiner Pfad links am beeindruckenden Fünfeckturm vorbei durch ein Tor auf die obere Bastei. Hier öffnet sich mit dem Rosengarten eine blühende Oase voller Farben und Düfte.
Schattenspendende Bäume umrahmen die Anlage. Zwischen den steingefassten Beeten und blühenden Rosen laden zahlreiche Sitzgelegenheiten zum Ausruhen und Genießen ein.
Von hier aus gelangt man auf die untere Bastion. Ihr Mittelpunkt ist ein kunstvoll gestaltetes Rondell, das von einem präzise geschnittenen Ring aus Feldahorn umgeben wird und dem Garten seine besondere Eleganz verleiht.
Ein besonderer Schatz der Burggärten ist der etwas versteckt gelegene Bürgermeistergarten. Vogelgezwitscher und das Zirpen der Grillen begleiten den Spaziergang durch die ruhige, beinahe märchenhaft wirkende Anlage. Seinen Namen verdankt der Garten der Zeit, als dieser Teil der Burg an den Nürnberger Bürgermeister vermietet war. Steintore, Skulpturen, Treppen und verschlungene Wege verleihen ihm seinen besonderen Charme. Von einer steinernen Galerie bietet sich zudem ein herrlicher Blick auf den Tiergärtnertorplatz und das Albrecht-Dürer-Haus.
Wer anschließend noch tiefer in die Welt der Pflanzen eintauchen möchte, erreicht durch ein kleines Tor den angrenzenden Heilkräutergarten. Dort wachsen mehr als 100 verschiedene Heilpflanzenarten. Der 2011 eröffnete Garten wird vom Bund Naturschutz betreut und vermittelt interessante Einblicke in die Vielfalt hei- mischer und traditioneller Heilpflanzen.
Die Burggärten sind von April bis Oktober täglich von 8:00 Uhr bis 20:00 Uhr geöffnet und laden dazu ein, die Nürnberger Burg von ihrer besonders grünen und ruhigen Seite kennenzulernen. Bitte beachten Sie, dass Hunde im Bürgermeistergarten nicht erlaubt sind.
Hesperidengärten
Die Hesperidengärten – eine grüne Oase mitten in Nürnberg
Wer in den Sommerferien nicht verreist, muss auf Erholung nicht verzichten. Mitten in Nürnberg gibt es Orte, an denen der Alltag für einen Moment in den Hintergrund tritt. Einer davon sind die Hesperidengärten im Stadtteil St. Johannis.
Schon im Mittelalter lagen rund um die Nürnberger Stadtmauern zahlreiche Gärten, in denen wohlhabende Bürger Ruhe und Erholung suchten. Später orientierten sich die Patrizierfamilien an den prachtvollen Lustgärten des Adels und legten rund um ihre Sommerhäuser kunstvoll gestaltete Barockgärten mit Brunnen, Skulpturen, Blumenbeeten und exotischen Zitrusbäumen an.
Die heute erhaltenen Hesperidengärten erinnern noch immer an diese Zeit. Hinter den Häusern der Johannisstraße verborgen laden sie mit ihren symmetrischen Wegen, Hecken und Brunnen zum Verweilen ein. Mitten in der Großstadt entsteht hier eine Atmosphäre der Ruhe, die den Lärm des Alltags schnell vergessen lässt.
Ihren Namen verdanken die Gärten der griechischen Mythologie. Dort bewachten die Hesperiden einen Baum mit goldenen Äpfeln. Wegen ihrer goldgelben Schale wurden später auch Zitrusfrüchte als „Hesperiden“ bezeichnet. Der Nürnberger Kaufmann und Hobbybotaniker Johann Christoph Volkamer machte diesen Begriff im 17. Jahrhundert bekannt und gab den Gärten damit ihren bis heute klingenden Namen.
Wer durch die Hesperidengärten spaziert, entdeckt eine kleine Oase für Körper und Seele. Sie zeigen, dass man für eine erholsame Auszeit nicht weit reisen muss. Manchmal liegen die schönsten Rückzugsorte direkt vor der eigenen Haustür